Chancen und Herausforderungen

Schwerbehinderung ist nach wie vor ein Vermittlungshemmnis auf dem ersten Arbeitsmarkt.  

Foto: Ein Anzug hängt an einer Garderobe

Menschen mit Schwerbehinderung bringen ein breites Spektrum verschiedenster Behinderungsarten mit jeweils spezifischen Beeinträchtigungen mit und finden deshalb wesentlich schwerer einen geeigneten Arbeitsplatz als andere Menschen.

Viele benötigen einen speziell auf die Bedürfnisse ihrer Behinderung eingerichteten Arbeitsplatz, brauchen mehr Ruhephasen oder eine besondere Prozessorganisation, die ihrer Behinderung geschuldet ist. Arbeitsplätze, die diesen Bedingungen gerecht werden, existieren nicht in ausreichender Zahl.

Erholung auf dem Arbeitsmarkt kommt bei Menschen mit Schwerbehinderung nicht an

Während die Wirtschaft weiter wächst und sich der Arbeitsmarkt entspannt, geht der Aufschwung an den Menschen mit Schwerbehinderung vorüber. 

Foto: eine Gründerin

Selbst in den Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs erreichen die positiven Arbeitsmarkteffekte Menschen mit Behinderung nicht in gleichem Maße wie andere Arbeitslose mit Vermittlungshemmnissen. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen fiel in den letzten Jahren immer schlechter aus als bei nicht‐schwerbehinderten Menschen. Durch die Coronakrise hat sich diese Tendenz noch verstärkt. Das hat zur Konsequenz: Auch wenn die absolute Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung langsam sinkt, die Schere – und damit die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit Schwerbehinderung – wird immer größer. Aus diesen Gründen ist gerade für Menschen mit Schwerbehinderung Selbstständigkeit eine besonders bedeutsame Alternative zur Realisierung der Teilhabe am Arbeitsleben. Dennoch haben viele Menschen mit Vorbehalten zu kämpfen. Menschen mit Schwerbehinderung, die sich selbstständig machen wollen, treffen oft auf offene oder unterschwellige Vorbehalte. Sie sind immer wieder mit dem Vorurteil konfrontiert, Menschen mit Behinderung seien nicht leistungsfähig und daher den Belastungen einer Unternehmensgründung und -führung nicht gewachsen.

Selbstständigkeit und Behinderung

Nach 18 Jahren Erfahrungen mit dem Projekt enterability hat sich gezeigt: Gerade für viele Menschen mit Schwerbehinderung ist die Selbstständigkeit wichtig. Es ist für viele eine Chance (wieder) am ersten Arbeitsmarkt teil zu haben.

Foto: ein Gründer

Behinderte, die sich beruflich selbstständig machen, schaffen sich einen eigenen Arbeitsplatz, der ihren ganz individuellen Bedürfnissen entspricht. Sie gestalten ihn behindertengerecht. Teilhabe am Arbeitsleben hat einen ökonomischen Aspekt. Behinderte Unternehmer/innen verdienen für sich und ihre Familien den Lebensunterhalt durch eigene Arbeit. Sie werden unabhängig von staatlicher Unterstützung. Das ist wichtig – sehr wichtig. 

Genauso bedeutsam sind aber auch die sozialen Aspekte der Selbstständigkeit. Wer arbeitet, steht mitten im Leben, hat vielfältige Kontakte, besteht Konflikte und „erfährt Respekt und Anerkennung“ – wie es einer unserer Gründer ausdrückt.

Menschen mit Behinderung gründen erfolgreich

  • Mehr als 1.500 Gründungsinteressierte haben gemeinsam mit enterability ihre Geschäftsidee geprüft. Nicht alle wagten den Sprung in die Selbstständigkeit. Nicht alle Ideen sind realisierbar und tragfähig. Die Mehrzahl der Gründungsinteressierten profitiert aber auch von der Qualifizierung, wenn es nicht zur Gründung kommt. Sie setzen die erworbenen Kompetenzen gewinnbringend für ihre weitere berufliche Integration ein. Bereits während der Qualifizierung bei enterability nahmen 20 Prozent der Teilnehmer/innen eine Beschäftigung oder Umschulung auf.
  • Bis Ende 2021 haben sich mehr als 500 Menschen mit Schwerbehinderung mit unserer Hilfe selbstständig gemacht. Sie sind jetzt Unternehmer/innen in Berlin.
  • Ein Teil der Gründer/innen hat nicht nur für sich selbst Arbeitsplätze geschaffen. Sie haben weitere Menschen eingestellt. 

 

Als erster Schritt gilt jedoch immer: Geben Sie sich und Ihrer Idee eine Chance!